4-9 Mlle Murphy

Marie-Louise O'Murphy
Mademoiselle de Morphyse
«La belle Morphyse»

(21.10.1737 - 11.12.1814)



Marie-Louise O'Murphy de Boisfaily war eine der zahlreichen Schönheiten des « Hirschparks », dem Privatbordell des Königs.
Die Marquise de Pompadour, des Königs mächtige Mätresse, duldete und führte dieses Bordell, um den König bei Laune zu halten und zudem zu verhindern, dass dieser ernsthafte Liebschaften bei Hofe einging.

Doch Marie-Louise O'Murphy stieg zu einer ernsthaften Gefahr für die Marquise auf, denn sie erfüllte alle Voraussetzungen, um die Unerkanntheit im Hirschpark zu überwinden und ein Leben bei Hofe als Mätresse des Königs führen zu können.

Die junge Dame war eine von fünf Töchtern von Daniel O’Murphy de Boisfaily, einem aus Irland eingewanderten Ex-Soldaten, der sich mit seiner Familie in Rouen niederließ und dort den Beruf eines Schusters ausübte.
Nach dem Tod des Vaters, zog die Mutter mit den Kindern nach Paris. Während sich die Mutter als Altkleiderhändlerin betätigte, verdienten die Töchter ihr Geld als Schauspielerinnen oder Modelle.

1751/1752 stand die 14-Jährige Marie-Louise nackt Modell für den berühmten Hofmaler François Boucher. Dieser fertigte zwei Ölbilder von ihr an:

 
 

König Louis XV., dem diese Gemälde gezeigt wurden, verfiel augenblicklich der Schönheit der O'Murphy und verlangte nach ihr.
Selbst der berühmte Casanova, der Marie-Louise noch vor dem König zu Gesicht bekam, bemerkte ihre makellose Schönheit.

Während die anderen Damen des Hirschparks Louis XV. lediglich als polnischen Edelmann kennenlernten, versteckte der König seine wahre Idendität vor Marie-Louise nicht. Sie lernte ihn von Beginn an als königlichen Liebhaber kennen und sah ihre Chance auf eine strahlende Zukunft.

Aus der Liebschaft mit dem König ging 1754 eine gemeinsame Tochter hervor: Agathe Louise de Saint-Antoine de Saint-André (20.06.1754-02.12.1774). Die illegitime Tochter wurde 1773 mit René-Jean-Mans de La Tour du Pin, Marquis de la Charce (1750-1781), verheiratet.

Die dreijährige Liaison zwischen Marie-Louise und dem König verlief glücklich und ganz Europa sah bereits das Ende der Ära von Madame de Pompadour kommen.
Louis XV. hatte jedoch nie vor, sich von der Marquise zu trennen - zwar war sie nicht mehr seine Bettgenossin, doch umso mehr seine überaus geschätzte Freundin in allen Dingen. Niemals könnte er auf sie verzichten.

Dennoch bangte Madame de Pompadour drei lange Jahre um ihre Stellung. Ein böser Hinterhalt jedoch löste das "Problem" der Marquise plötzlich wie von selbst:
Mademoiselle O'Murphy, die bei Hofe inzwischen als «Maîtresse-sans-titre» galt, bekam von Madame de Valentinois, der Schwägerin des Prince de Monaco, den "gutgemeinten" Rat, den König doch hin und wieder danach zu befragen, wie dieser seine "alte Frau" (Madame de Pompadour) behandle.
Naiv befolgte Marie-Louise den Ratschlag und besiegelte damit augenblicklich ihren eigenen Untergang als königliche Geliebte - Louis XV. würde es niemals dulden, dass derart abwertend über seine Pompadour gesprochen wird.
Tränenreiche Entschuldigungen und das Benennen ihrer Anstifterin halfen Marie-Louise nichts; der König verließ seine Geliebte voller Wut und sah sie nie wieder.

In der Folgezeit war Marie-Louise die Geliebte diverser Höflinge, doch der König selbst zeigte kein Interesse mehr an ihr.
Lediglich um ihre finanzielle Absicherung kümmerte sich Louis XV. noch:
Er stellte ihr 21.000 Francs zur Verfügung und verheiratete sie 1755 mit dem bretonischen Major Jacques de Beaufranchet, Seigneur d'Ayat, der bereits zwei Jahre später, am 07.11.1757, während des Siebenjährigen Krieges in der Schlacht bei Roßbach fiel.
Aus dieser Ehe entstammte ein Sohn: Louis Charles Antoine de Beaufranchet (24.11.1757-02.07.1812), der wenige Wochen nach dem Tod des Vaters zur Welt kam.
Es gibt zwar Gerüchte, wonach der König der leibliche Vater des Jungen gewesen sein soll, Beweise hierfür existieren jedoch nicht.
Louis Charles Antoine de Beaufranchet diente später während der Französischen Revolution auf Seiten der Revolutionäre.

1759 heiratete Marie-Louise in zweiter Ehe Francois Nicolas Le Normant, Comte de Flaghac. Aus dieser Ehe ging 1768 die Tochter Marguerite hervor.

Nach dem Tod des zweiten Ehemannes in 1783, heiratete Marie-Louise 1795 in dritter Ehe den 30 Jahre jüngeren Louis-Philippe Dumont de la Rochelle (17.11.1765-11.06.1853), einen Abgeordneten des Département Calvados im Nationalkonvent. 1797 wurde die Ehe wieder geschieden.

Wegen ihrer Verbindungen zum Königshaus, wurde Marie-Louise während der Französischen Revolution kurzzeitig inhaftiert, doch sie überlebte die Schreckensherrschaft und starb 1814 im Alter von 77 Jahren.

 

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