4-12-4 Mlle Nantes

Louise Françoise de Bourbon
«Mademoiselle de Nantes»
Princesse de Condé 

(01.06.1673 - 16.06.1743)



Louise-Françoise wurde am 01.06.1673 in Tournai, Belgien, als illegitime Tochter Louis' XIV und der Madame de Montespan geboren. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die Eltern gerade auf einer militärischen Reise in Belgien.
Es heißt, die Kleine sei nach Louise de La Vallière benannt worden, die die Mätresse des Königs war und von Madame de Montespan verdrängt wurde. Die Marquise de La Vallière war jedenfalls die Taufpatin des Kindes.

Das Kind lebte wie seine Geschwister fernab vom Hof in aller Heimlichkeit, bis es am 20.12.1673 vom König legitimiert wurde und den Titel Mademoiselle de Nantes erhielt.
Die kleine Mademoiselle wuchs in der Obhut der Madame de Maintenon auf, die eine Freundin ihrer Mutter war, später jedoch deren Platz als Mätresse des Königs einnahm.
Ihre Eltern nannten das Mädchen liebevoll «Poupotte».

 
Mademoiselle de Nantes, auf die Büste ihres
Vaters (Louis XIV) zeigend (1840, Joseph Albrier)

Im Gegensatz zu ihrem älteren Bruder, dem Duc du Maine, der die Maintenon als seine Mutter ansah und stattdessen seine richtige Mutter schlecht machte, konnte Louise-Françoise die Gouvernante nicht ausstehen. Das Mädchen war daher auch der Liebling der Mutter. Von ihr erbte sie nicht nur die Schönheit, die Intelligenz und den Zynismus, sondern auch deren Vorliebe für Musik und Tanz. Louise-Françoise war eine ausgezeichnete Tänzerin.

Eine besonders tiefe Liebe verband die Mademoiselle de Nantes mit ihrer jüngeren Schwester Mademoiselle de Tours. Als diese 1681 plötzlich schwer erkrankte und verstarb, brach für Louise-Françoise eine Welt zusammen.

Mit ihrer Schwester Françoise-Marie, der Zweiten Mademoiselle von Blois, verstand sie sich hingegen weniger. Die beiden jungen Frauen kämpften bei Hofe wie besessen um die Vormachtstellung - sowohl die eigene, als auch die ihrer Kinder. Eifersuchtsszenen und Ränkeleien waren an der Tagesordnung.
Ebenso wenig mochte Louise-Françoise ihre Halbschwester Marie-Anne, die Erste Mademoiselle von Blois, die eine Tochter Louis' XIV und der La Vallière war und obendrein als der Liebling des Königs galt.

 
Mlle de Nantes mit ihrem älteren Bruder, dem Duc du Maine

 
Mlle de Nantes & ihre Schwester Mlle de Blois (Claude-François Vignon)

Der Sonnenkönig war darauf bedacht, für seine außerehelichen Kinder stets gute Ehen zu arrangieren. Für Mademoiselle de Nantes arrangierte er daher die Hochzeit mit Louis III. de Bourbon, Prince de Condé (1668-1710), dem Enkel des berühmten Louis II. de Bourbon-Condé (Le Grand Condé, 1621-1686).
Als Mitgift stellte der König ihr 1 Mio. Livres zur Verfügung.

 
Louis III. de Bourbon, Prince de Condé

Und so heiratete Louise-Françoise am 24.05.1685 im Alter von fast 12 Jahren den Prinzen von Condé in Versailles. Sie war nun die Duchesse de Bourbon und wurde bei Hofe mit «Madame la Duchesse» betitelt.
Der Prince de Condé war jedoch alles andere als ansehnlich. Er war klein, bucklig, hatte eine Warze unter dem Auge und betrog seine junge Frau öffentlich durch seine zahlreichen Bordellbesuche.
In ihrer Trauer um die unglückliche Ehe, fand Louise-Françoise jedoch Trost bei ihren Schwiegereltern und dem Großvater ihres Gatten, dem Grand Condé, der sie wie seine eigene Tochter liebte.

 
Die Hochzeit in Versailles. Ebenfalls anwesend ist die königliche Familie.

Ende 1686 erkrankte die Duchesse de Bourbon in Fontainebleau an den Pocken.
Ihr Ehemann verlor nun entgültig das Interesse an ihr und widmete sich nur noch seinen Skandalen.
Gepflegt wurde die Arme stattdessen vom Grand Condé und ihrer Mutter. Der Grand Condé verbot zu dieser Zeit sogar dem König, die Tochter zu besuchen, aus Angst, der König könnte sich anstecken.
Die Duchesse wurde schließlich sogar von den Ärzten aufgegeben und galt dem Tode geweiht. Madame de Montespan weinte bitterlich um den bevorstehenden Verlust der geliebten Tochter, die ihr so ähnelte.
Doch entgegen allen Erwartungen überlebte Louise-Françoise die schreckliche Krankheit... während sich Le Grand Condé am Krankenbett der Schwiegerenkelin ansteckte und am 11.12.1686 verstarb...

 
Mademoiselle de Nantes als Kleopatra (1710, François de Troy)

1691 verließ ihre Mutter, Madame de Montespan, entgültig den Hof und zog sich ins Kloster Filles de Saint-Joseph in der Rue Saint-Dominique, Paris, zurück.
Louise-Françoise hielt einen engen Kontakt zu ihr aufrecht, was die beiden noch enger zusammenschweißte.
Umso erschütterter empfing die Duchesse 1707 die Nachricht vom Tod der geliebten Mutter.
König Louis XIV hatte dem Hofstaat untersagt, Trauerkleidung zu tragen. Dieser Anweisung mussten sich auch Louise-Françoise und ihre Geschwister beugen, doch blieben sie während der Trauerzeit jeglichen Hof-Festivitäten fern.

Als 1692 die jüngere Schwester, Madmoiselle de Blois, durch ihre Heirat mit Philippe II. de Bourbon-Orléans, dem Neffen des Königs, in den Rang einer königlichen Prinzessin aufstieg, veränderte sich plötzlich das Kräfteverhältnis zwischen den beiden streitsüchtigen Schwestern: Mademoiselle de Blois stand nun im Rang über ihrer älteren Schwester, der Duchesse de Bourbon.
Dies wirkte sich weiter ungünstig auf die Beziehung der beiden aus.

 

Die Duchesse versuchte, ihren grausamen Ehemann zu meiden, wo es nur ging, und begann um 1695 herum eine Liaison mit François-Louis de Bourbon-Conti, von dem es heißt, er sei der leibliche Vater von Louise-Françoises Tochter Marie-Anne de Bourbon (1697-1741).
Als der Duc de Bourbon von der Affaire seiner Frau erfuhr, wurde er rasend, doch hielt er sich zurück, aus Furcht vor dem König, der ja der Vater seiner Gattin war.
Der Thronfolger (Le Grand Dauphin), mit dem Louise-Françoise eine freundschaftliche Beziehung verband, erlaubte ihr derweil, sich mit ihrem Geliebten heimlich auf seinem Landsitz in Meudon zu treffen.

Dank der Gunst des Thronfolgers, erhoffte sich die Duchesse de Bourbon eine strahlende Zukunft, wenn dieser einmal König werde. Der plötzliche Tod des Dauphins im Jahre 1711 machte ihre großen Pläne jedoch zunichte.
Zum neuen Thronfolgerpaar - Louis de Bourgogne (Sohn des Grand Dauphin) und dessen Gattin Marie-Adélaïde de Savoie - gelang es der Duchesse nicht, freundschaftliche Bindungen aufzubauen, da die Dauphine eine recht feindselige Einstellung zu Damen niederen Ranges hatte.

Den Tod ihres Gatten am 04.03.1710 nahm die Duchesse mit ziemlicher Erleichterung auf. Louis III. de Bourbon-Condé starb an den Folgen eines Schlaganfalls, den er erlitt, als er gerade mit seiner Kutsche den Pont-Neuf in Paris überquerte.

 
Mademoiselle de Nantes in ihrem Witwengewand, 1710 (Pierre Gobert)

Die schöne und intelligente junge Witwe blühte nun regelrecht auf, versüßte sich das Leben mit Liebhabern und Festen und wurde zum Mittelpunkt des Gesellschaftsleben am Versailler Hof.
Sie stürzte sich 
in den 1720ern zudem in eine heftige Liebelei mit dem Marquis de Lassay und wurde dessen Mätresse. Seiner Mätresse zuliebe baute de Lassay direkt neben ihrer Pariser Residenz, dem Palais Bourbon, sein Hôtel de Lassay, um ihr nahe zu sein.
Später wurde eine Galerie als Verbindung der beiden Gebäude hinzugefügt.

 
Palais de Bourbon, die Residenz der Duchesse de Bourbon

Das Palais Bourbon hatte sich Louise-Françoise ab 1722 errichten lassen - nahe der Residenzen ihrer Geschwister:
Ihre Halbschwester Marie Anne de Bourbon bewohnte das Hôtel de Conti, gegenüber dem Louvre.
Ihr Bruder Duc du Maine wohnte im Hôtel du Maine, ebenfalls nahe dem Louvre.
Die jüngere Schwester Françoise-Marie de Bourbon, Duchesse d'Orléans, residierte im Palais Royal.
Und das Hôtel de Toulouse, dem Wohnsitz des Comte de Toulouse, dem jüngeren Bruder, befand sich ebenfalls in der Nähe des Louvre.

Für ihr Palais Bourbon ließ sich die Duchesse vom Grand Trianon inspirieren, in dem sie sich kurz zuvor aufhielt.

Zum neuen König Louis XV., der nach dem Tod ihres Vaters, dem Sonnenkönig, dessen Nachfolge antrat, verband Louise-Françoise ein freundschaftliches Verhältnis.
Der junge König genoss ihre Gegenwart und Konversation und verzieh ihr so manche Eskapade.
1737 bat der König die Duchesse sogar, die Taufpatin seines ältesten Sohnes, dem Dauphin Louis Ferdinand, zu sein. Die Taufe fand am 27.04.1737 statt.
Der zweite Taufpate war Louise-Françoises Neffe Louis d'Orléans.

Louise-Françoises, die Duchesse de Bourbon, starb am 16.06.1743 im Alter von 70 Jahren im Palais Bourbon.
Wie ihre jüngere Schwester und ihr jüngerer Bruder, ist die Duchesse de Bourbon die Vorfahrin des heutigen Hauses von Orléans.



Sonstige Infos zur Mademoiselle de Nantes:


          

 

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