4-0 Hirschpark

Mätressen Louis' XV

Le Parc-aux-Cerfs
(der Hirschpark)

 



Der "Hirschpark" - das geheimnisumwitterte Privatbordell Louis' XV. - war ursprünglich der Name eines Versailler Viertels, welches zu Zeiten Louis' XIII. als Hirschgehege diente.

Unter Louis XIV. entstand hieraus wegen des Ausbaus des Versailler Schlosses ein neuer Stadtteil.

König Louis XV. hatte dort, in der Rue Saint-Médéric im Jahr 1755 die Häuser Nr. 2 und 4 gekauft, die durch einen Garten miteinander verbunden waren.
Der Käufer war ein Mittelsmann des Königs: Monsieur J. N. C. Cremers.

Die beiden Häuser die als des Königs "Hirschpark" galten, waren zweistöckig und existieren noch heute.
Besichtigen kann man sie jedoch nicht, da sie privat bewohnt sind.


Lage des ehemaligen Hirschparks (2-4 Rue Saint-Médéric, Versailles):

A... Château de Versailles
B... Standort des Hirschparks

© 2009 GoogleMaps - Kartendaten © 2009 TeleAtlas
(© 2009 GoogleMaps - Kartendaten © 2009 TeleAtlas - Nutzungsbedingungen)


Laut den Memorien von Madame du Hausset, der Kammerfrau der Marquise de Pompadour, hatte sich dort jeweils immer nur eine junge Frau aufgehalten, die dem König zur Verfügung stand.
War der König auf Reisen, wurde die junge Frau aufs Land gebracht; verweilte der König im Schloss, wohnte sie im Hirschpark.

Dieser Aussage von Mme du Hausset schenkt man heute jedoch keinen Glauben mehr, zumal davon ausgegangen werden kann, dass sich nicht nur eine Dame für den König bereit hielt, sondern zwei bis drei.
Diese hatten im Hirschpark ihren eigenen Haushalt (eine Kammerfrau, eine Köchin, einen Diener, eine Gouvernante) und keinerlei Kontakt zueinander.
Zu Zeiten Louis' XV. gab es im Hirschpark auch einen Baderaum, da der König größten Wert auf die Sauberkeit seiner Dirnen legte.

Die Gattin eines Angestellten des Kriegsministeriums kümmerte sich um die jungen Frauen und gab diese stets als ihre Nichten aus.

Ausgewählt wurden die Damen des Hirschparks vom Ersten Kammerdiener des Königs: Dominique Guillaume Le Bel, einem ehemaligen Geliebten der Mutter von Madame de Pompadour.
Le Bel (auch "Lebel") konnte sich vor Angeboten kaum retten, sogar Mütter scheuten sich nicht, ihm ihre jüngsten und hübschesten Töchter für den König anzubieten.

Madame de Pompadour förderte gar selbst den Hirschpark und die "Versorgung" des Königs mit jungen Frauen, um den König bei Laune zu halten und ihre Stellung als «maîtresse-en-titre» nicht zu gefährden.
Einzig 
Mademoiselle O'Murphy vermochte es, als Mädchen des Hirschparks der großen Pompadour gefährlich zu werden.

Der König besuchte seine Liebschaften nie - wie bislang angenommen - im Hirschpark, sondern die Damen wurden zum Schäferstündchen in den Palast gebracht. Grundsätzlich lernten die Mädchen den König als polnischen Edelmann, nicht jedoch als König von Frankreich kennen.
Auch hierin stellte Marie-Louise O'Murphy eine Ausnahme dar.

War eines der Mädchen schwanger, wurde es an einen diskreten Herren aus dem Haushalt des Königs verheiratet, der dann die Patenschaft für das Kind übernahm.

Es heißt, die jungen Frauen, die ihre Jungfräuligkeit an den König gaben, waren gesellschaftsmäßig verloren - zum einen, weil sie von ihren Eltern an Lebel bzw. an die Pompadour verkauft wurden; und zum anderen wegen ihrer Konkubinenvergangenheit.
Die "verdorbenen" jungen Mädchen nahmen die Erfahrungen aus dem Hirschpark mit in ihr weiteres Leben, arbeiteten als Huren und hatten kaum eine Chance auf ein bürgerliches Leben.
Aus diesem Grund wurde der "Hirschpark" zu einem Symbol der moralischen Verwerflichkeit des Ancien Regimes.

 

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