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Louis Ferdinand de Bourbon
Dauphin de Viennois

(04.09.1729 - 20.12.1765)



Prinz Louis Ferdinand kam am 04.09.1729 zur Welt und war der erste Sohn von König Louis XV und damit der Thronfolger Frankreichs.
Die Geburt eines Erben war lange erwartet worden und als die Königin im Spätsommer des Jahres 1729 einem gesunden Sohn das Leben schenkte, gab es große Feierlichkeiten. Zum ersten Mal seit langem schien die Weiterführung der Dynastie gesichert zu sein.

Im Jahr 1745 wurde der 16-jährige Dauphin mit der Cousine seines Vaters, der 19-jährigen Marie Thérèse Raphaëlle de Bourbon-Espagne verheiratet.
Marie Thérèse war die Tochter von Philippe V von Spanien und dieser wiederum war ein Enkel des Sonnenkönigs sowie ein Onkel Louis' XV.

 
Marie Thérèse Raphaëlle de Bourbon-Espagne

Diese Hochzeit entsprang der Tradition katholischer Herrscher, untereinander zu heiraten, und kräftigte das Bündnis Frankreichs mit Spanien gegen den Erzfeind der Bourbonen: das Haus Habsburg.

Die junge Dauphine starb jedoch am 22.07.1746 nach der Geburt ihres ersten Kindes, Marie Thérèse de Bourbon (1746-1748).
Louis Ferdinand, der todunglücklich über den Verlust der geliebten Gattin war, bekam nun die Grausamkeit der höfischen Heiratspolitik zu spüren:
Gerade mal nur sechs Monate durfte er trauern, dann wurde der mittlerweile 18-Jährige auch schon wieder verheiratet.
Am 09.02.1747 fand die Hochzeit mit der 16-jährigen sächsischen Prinzessin Maria Josèpha Carolina Eleonora Xaveria (1731-1767), der jüngeren Tochter von Maria Josepha Augusta von Österreich und Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen, statt.

 
Marie Josèphe de Saxe

Angesichts der kurzen Trauerzeit, kann man sich vorstellen, dass der Dauphin einen Horror vor der Hochzeitsnacht hatte... denn diese sollte im selben Bett stattfinden, in dem erst wenige Monate zuvor seine erste Frau verstarb.
Die fürchterliche Situation rührte ihn so sehr, dass er vor seiner neuen Frau zu weinen begann.
Hier bekam er jedoch unerwartet Hilfe von dieser fremden neuen Dauphine: mit ihren erst 16 Jahren zeigte sie so viel Verständnis und Mitgefühl, dass sie in der ersten Zeit auf den Vollzug der Ehe verzichtete und ihrem Gatten versprach, ihm Zeit zu geben.
Marie Josèphes weise Art, dem Dauphin die Trauer einzugestehen, war der erste Schritt, um das gebrochene Herz des Gatten zu erobern...
Die beiden hielten von da an fest zusammen.

Madame de Pompadour hatte ihren Geliebten, den König, zu dieser Ehe überzeugt, da die Verbindung für die französische Außenpolitik vorteilhaft wäre.
Die junge Dauphine erwies sich gegenüber Madame de Pompadour als dankbar.
Sie war ihr gegenüber stets liebenswürdig und bemühte sich um ein gutes Verhältnis zur königlichen Mätresse.

Louis Ferdinand führte eine glückliche Ehe mit seiner zweiten Frau.
Ähnlich wie die Dauphine war auch er sehr fromm. Zwar gönnte sich der Dauphin hin und wieder eine außereheliche Liaison, doch hielt er diese aus Rücksicht auf die Gefühle seiner Gemahlin diskret verborgen - anders als der König, der seine Liebschaften offen auslebte und sich eine offizielle Mätresse hielt.
Zusammen mit der Königin bildete das Thronfolgerpaar auf diesem Gebiet einen Gegenpol zu dem freizügigen, in ihren Augen unmoralischen Verhalten des übrigen Hofes mit dem König an der Spitze.

Das erste Kind des Paares war die 1750 geborene Tochter Marie Zéphyrine, die jedoch bereits 1755 starb.
Der erste Sohn wurde am 13. September 1751 geboren und erhielt den Namen Louis Joseph Xavier. Ihm wurde der Titel eines Duc de Bourgogne verliehen. Diesen Titel hatte zuletzt Louis de Bourbon, 1712 verstorbene Vater des
Königs, getragen.

Insgesamt hatte das Paar 11 Kinder, darunter drei zukünftige französische Könige.
Ihre gemeinsame Vorliebe galt jedoch dem ältesten Sohn, dem Duc de Bourgogne, dessen Begabung früh zutage trat und der große Hoffnungen, nicht nur bei seinen Eltern, sondern am gesamten französischen Hof, hervorrief.
Durch diese Bevorzugung wurden die jüngeren Söhne des Paares vernachlässigt, was sich später als großer Nachteil für die Könige Louis XVI.Louis XVIII. und Charles X. erweisen sollte. Denn der Duc de Bourgogne starb überraschend am 22.03.1761 mit gerade mal 9 Jahren an Tuberkulose.
Nachdem der 1753 geborene, zweite Sohn des Paares, Xavier Marie Joseph, Herzog von Aquitanien, bereits 1754 verstorben war, übernahm nun der am 23.08.1754 geborene Louis Auguste, Duc de Berry (später Louis XVI.), die nach seinem Vater zweite Stelle in der französischen Thronfolge.

Der Dauphin Louis Ferdinand war eher ungraziös, dafür aber gebildet und wohlerzogen. Auch zog er die Konversation dem Jagen oder Feiern vor, seine Moral war gut geschult. Er wurde zu einem großen Unterstützer der Jesuiten, seine Schwestern sahen in ihm den idealen christlichen Prinzen.
Obwohl ihn sein Vater von jeder politischen Aktivität fernhielt, wurde der Dauphin zum Zentrum der christlich-religiösen Partei, die hoffte, nach seiner Thronbesteigung an mehr Macht zu gelangen.

Louis Ferdinand starb jedoch am 20.12.1765 im Alter von nur 36 Jahren in Fontainebleau an den Folgen einer Tuberkuloseerkrankung.
Neuer Thronerbe wurde nun sein 11-jähriger Sohn Louis Auguste de Berry.



Sonstige Infos zu Louis Ferdinand:


         


 

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