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Marie-Thérèse d'Autrich
Königin von Frankreich

(10.09.1638 - 30.07.1683)



Marie Thérèse kam am 10.09.1638 im Schloss Real Sitio de San Lorenzo de El Escorial nahe Madrid als Tochter des spanischen Königspaares Philippe IV (1605-1665) und Élisabeth (Isabella) de France (1602-1644, Tochter von Henri IV.) zur Welt.
Das Mädchen wurde streng und sehr religiös erzogen und lebte nach dem Tod der Mutter in 1644 nahezu völlig isoliert am spanischen Hof. Ihre fünf Schwestern und einer ihrer beiden Brüder starben bereits allesamt im Kindesalter, vor Marie Thérèses Geburt. Ihr ältester Bruder Baltasar Carlos starb 1646 im Alter von 16 Jahren.

 
 

Zur damaligen Zeit herrschte Krieg zwischen den beiden mächtigsten Staaten Europas, Frankreich und Spanien.
Im Pyrenäischen Friede vom 07.11.1659 wurden die Auseinandersetzungen beigelegt; der Friedensvertrag war übrigens das Meisterwerk des 
Kardinals Mazarin.
Spanien trat Gebiete an Frankreich ab und akzeptierte die Pyrenäen als neue Grenze zwischen beiden Ländern, wodurch Frankreich die Vormachtstellung in Europa erlangte.
Zudem wurde vereinbart, dass Philippes Tochter Marie Thérèse mit dem König von Frankreich, 
Louis XIV, vermählt würde.
Hierzu musste die Prinzessin auf ihre Ansprüche auf den spanischen Thron verzichten, allerdings unter der Bedingung einer enormen Geldentschädigung (500.000 Goldecus), die Spanien niemals vollständig begleichen konnte.
Marie Thérèse Ansprüche blieben daher de facto erhalten und führten wenige Jahren später zu einem Krieg um Spaniens Thron...

König Louis XIV. von Frankreich war sowohl väterlicherseits als auch mütterlicherseits Marie Thérèses Cousin: Louis' Mutter Anne d'Autriche und Marie Thérèses Vater Philippe IV. waren Geschwister, ebenso wie Louis' Vater Louis XIII. und Marie Thérèses Mutter Elisabeth de France.

Das erste Treffen der beiden Verlobten erfolgte am 06.06.1660 auf neutralem Boden, auf der Fasaneninsel - auf der auch der Pyrenäenfrieden abgeschlossen wurde - im Fluss Bidassoa in einem luxuriösen Pavillon.
Hier traf die gesamte französische und die spanische Königsfamilie zusammen; Anne d'Autriche sah zum ersten Mal seit vielen Jahren ihren Bruder wieder.
Marie Thérèse war sehr angetan von der schönen und mächtigen Erscheinung ihres Gatten und verliebte sich bereits jetzt in ihn.
Am 07.06. überschritt die Infantin im Pavillon die Grenze zwischen Spanien und Frankreich und war von nun an Mitglied der französischen Königsfamilie.
Anders als ihre Vorgängerin Anne d'Autriche, konnte sich Marie Thérèse gewiss sein, liebevoll aufgenommen zu werden. Schließlich war ihre Schwiegermutter Anne gleichzeitig ihre Tante, die für Marie Thérèse eine große Zuneigung empfand und sie wie ihre eigene Tochter liebte.

Die prachtvolle Hochzeit fand am 09.06.1660 in Saint-Jean-de-Luz in der Kirche Saint-Jean Baptiste statt.

Marie Thérèse galt als recht ungeeignet für die Rolle der französischen Königin.
Durch das Aufwachsen ohne Mutter und in totaler Isolation war die junge Frau unheimlich schüchtern, schwerfällig, oberflächlich und kindlich. Es mangelte ihr an Bildung und obendrein an der natürlichen Neugier, dazuzulernen.
Ihre extreme Religiösität, die in Spanien genossene strenge Erziehung und ihr Unvermögen, selbst nach Jahren, richtig französisch zu sprechen, machten es ihr zudem schwer, sich den Gepflogenheiten des französischen Hofes anzupassen.
Äußerlich war Marie Thérèse eher klein, dicklich und hatte ein typisches Habsburger Gesicht.
Doch ihre schneeweiße Haut, die strahlend blauen Augen und das reine blonde Haar ließen sie anmutig wirken.
Zeitgenossen machen in ihren Memoiren jedoch auf die extrem schlechten Zähne der Infantin aufmerksam.

 

Marie Thérèses großer Fehler an einem Hof, an dem man sich behaupten musste, war ihre Unfähigkeit, sich als Königin zum Mittelpunkt des Hoflebens zu machen. 
Louis XIV. missfiel diese Tatsache sehr, denn dadurch manövrierte sich die Königin von Frankreich ins höfische Aus und galt als langweilig.
Doch sah der König gern über die Mängel seiner Gattin hinweg, denn ihre ehrliche Liebe zu ihm ehrte ihn ungemein. Louis hatte in Marie Thérèse nicht nur eine Ehefrau, die ihn von Beginn an von Herzen liebte, sondern auch eine tugendhafte Königin, die sich ganz und gar der Etikette hingab und ihre Rolle als Königin Frankreichs als heilig empfand.
Skandale waren von Marie Thérèse nicht zu erwarten.

Louis dankte seiner Gattin, indem er gewissenhaft seine ehelichen Pflichten erfüllte und bis zu ihrem Tod das Bett mit ihr teilte.
Dennoch verletzte er Marie Thérèse jahrelang und demütigte sie, indem er zum untreuesten aller Ehemänner wurde und seine Gattin mit zahlreichen Mätressen betrog (siehe: 
Mätressen Louis' XIV.).
Einzig zu 
Madame de Maintenon pflegte die Königin einen freundlichen Umgang, da deren Einfluss auf den König bewirkte, dass Louis der Königin in späteren Jahren wieder mehr Aufmerksamkeit schenkte.

Marie Thérèse war Spanierin und müsste eigentlich als Marie Thérèse d'Espagne bezeichnet werden. Stattdessen galt sie in Frankreich stets als Marie Thérèse d'Autriche (Maria Theresia von Österreich). Ähnlich wie auch bei ihrer Schwiegermutter Anne d'Autriche, die ebenfalls Spanierin war, machte man dadurch auf deren habsburgische Abstammung aufmerksam.

 

Königin Marie Thérèse starb am 30.07.1683 in Versailles an den Folgen eines Abszesses in der Achselhöhle. Da ihr Tod recht überraschend kam, vermutete man zunächst, sie sei vergiftet worden. Diese Behauptung gilt jedoch haltlos. Durch die damals übliche Behandlung mit Aderlässen wurde Marie Thérèses Körper derart geschwächt, dass die Königin der eigentlich harmlosen Erkrankung schließlich erlag.
Louis XIV. bedauerte den Tod seiner Gemahlin offenbar aufrichtig. Es heißt, er habe verlauten lassen, dass ihr Tod der erste Kummer sei, den die Königin ihm bereitet habe...

 
Familie von Louis XIV. & Marie Thérèse (1670, Jean Nocret)
v.l.n.r.: Henriette de France (Königin von England), Philippe I. d'Orléans
(Bruder des Königs), Marie-Louise d'Orléans (Tochter Philippes),
Henriette Anne d'Orléans (Ehefrau Philippes), Anne d'Autriche;
im Bilderrahmen:  Anne Elisabeth & Marie Anne (die verstorbenen Kinder
des Königs), König Louis XIV., vor diesem der Dauphin Louis de Bourbon,
Königin Marie Thérèse mit den Kindern Marie Thérèse (unten) &
Philippe Charles, hinter dem König: die "Grande Mademoiselle"
Anne Marie Louise d'Orléans (Cousine des Königs)


Kinder


Aus der Ehe von Marie Thérèse und Louis XIV. gingen sechs Kinder hervor, von denen nur der älteste Sohn das Erwachsenenalter erreichte:

• Louis de Bourbon, le Grand Dauphin (1661-1711)

Anne Élisabeth (18.11.1662-30.12.1662), starb an einer Entzündung im Brustraum

Marie Anne (16.11.1664-26.12.1664); zur Geburt war die Königin schwer krank und brachte Marie Anne als Frühgeburt zur Welt

Marie Thérèse, la Petite Madame (02.01.1667-01.03.1672), 1668 im Palais du Louvre getauft, war für den spanischen Thron vorgesehen

Philippe-Charles, Duc d'Anjou (05.08.1668-10.07.1671), starb an einer Entzündung im Brustraum

Louis-François, Duc d'Anjou (14.06.1672-04.11.1672)

   
 



Sonstige Infos zu Königin Marie-Thérèse:


          

 

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