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Marie Louise Elisabeth d'Orléans
« Mademoiselle d'Orléans »
Duchesse de Berry

(20.08.1695 - 21.07.1719)

 



Marie Louise Elisabeth d'Orléans kam am 20. August 1695 als Tochter des späteren Regenten Philippe II. d'Orléans und dessen Ehefrau Françoise Marie de Bourbon in Versailles zur Welt.
Die Mutter war eine legitimierte Tochter des Sonnenkönigs und dessen Mätresse Madame de Montespan.
Der Vater war ein Neffe des Sonnenkönigs.

Das Mädchen wurde am 29.07.1696 in Saint-Cloud getauft und erhielt den Titel Mademoiselle d'Orléans.
Sie wuchs im Palais Royal in Paris auf und war der Liebling ihres Vaters, während sie von ihrer Mutter stets Ignoranz erfuhr.
Auch die Tatsache, dass die Ehe ihrer Eltern recht unglücklich verlief, wirkte sich stark auf das Verhalten des Mädchens aus. Der König beschwerte sich oft bei den Eltern über das ungezogene Verhalten von Marie Louise Elisabeth und deren Geschwistern.

Das eigensinnige und unberechenbare Mädchen litt in seiner Kindheit oft unter schlimmen Krankheiten, in denen es von ihrem Vater liebevoll gepflegt wurde. Im Alter von 10 Jahren erkrankte Marie Louise Elisabeth an den Pocken. Für nahezu sechs Stunden hielt man sie gar für tot.

 
Mademoiselle d'Orléans, um 1700 (Pierre Gobert)

Mit 14 Jahren wurde sie offiziell bei Hofe eingeführt und erhielt ihren eigenen Hofstaat. Der schillernde Hof ihres Großvaters zog Mademoiselle d'Orléans schnell in seinen Bann. Die Eskapaden der jungen Dame waren bald im ganzen Königreich bekannt.

Ihre Mutter schmiedete schon frühzeitig Hochzeitspläne für das schöne Kind. Es gelang ihr sogar, ihren Vater, den König, davon zu überzeugen, Mademoiselle d'Orléans mit dessen Enkel Charles de Berry zu verheiraten:
Nach dem Eintreffen des päpstlichen Dispens' am 05.07.1710 fand am nächsten Tag, am 06.07.1710, die Hochzeit von Mademoiselle d'Orléans mit dem Prinzen Charles de Bourbon, Duc de Berry (jüngster Sohn des Thronfolgerpaare Louis de Bourbon und Maria-Anna von Bayern) statt.

Ihr Gatte Charles stand weit hinten in der Thronfolgerschaft, insofern war die Chance für Marie Louise Elisabeth, Königin von Frankreich zu werden, zunächst gering - für eine kurze Zeit jedoch zum Greifen nahe...

Durch ihre Heirat mit einem königlichen Prinzen stieg Marie Louise Elisabeth in den Rang einer Königlichen Hoheit auf und erhielt daher einen entsprechenden Hofstaat. Marie Gabrielle de Durfort de Lorges, die Gemahlin des berühmten Duc de Saint-Simon, wurde ihre dame d'honneurMarie-Anne de Bourbon, ihre Cousine, wurde ihre Hofdame. Letztere gab das Amt jedoch später aufgrund der Eskapaden der Duchesse beschämt wieder ab.

 
(unbekannter Künstler)

Die Ehe von Marie Louise Elisabeth und Charles war geprägt von Schikanen, Eifersuchtsszenen und Betrug.
Gründe lagen u.a. in der schwierigen Persönlichkeit der jungen Frau, die von einem Moment zum anderen zwischen übermäßiger Freude und tiefster Depression oder Wutausbrüchen wechselte.
Auch die ungewöhnlich enge Beziehung zu ihrem Vater, die für mancherlei Gesprächsstoff bei Hofe sorgte, machte den Gatten rasend.
Die beiden bestraften sich daher regelmäßig mit Streiereien und wechselnden Liebhabern und Mätressen.

 
Duchesse de Berry (1710, Etienne-Jehandier Desrochers)

Aus der Ehe mit Charles gingen drei Kinder hervor, die jedoch alle noch im Kindesalter verstarben. Die Schwangerschaften verliefen teils mit großen Komplikationen, was zu Frühgeburten und einem schnellen Ableben der Babys führte.

 
die Duchesse de Berry als Flora (1712, Nicolas de Largillière)

Da die Duchesse Unmengen von Speisen zu sich nahm, anschließend erbrechen musste, worauf sie wieder begann, zu essen, vermutet man heute, dass sie an einer Essstörung erkrankte. Mit 20 Jahren litt die einstige Schönheit an Übergewicht und Verdauungsstörungen.

Im Jahr 1714 stand die kurz zuvor noch dank vieler Thronerben gesicherte Herrschaft der Bourbonen beinahe vor dem Aus ! Diverse, krankheitsbedingte Todesfälle rafften einen Thronerben nach dem anderen dahin. Übrig blieben Louis, der vierjährige, kränkliche Urenkel des Sonnenkönigs, und Charles de Berry !
Marie Louise Elisabeths Ehemann, der lange Zeit kaum Aussicht auf den Thron hatte, stand 1714 plötzlich an zweiter Stelle in der Thronfolge.

Sein Unfalltod im selben Jahr trieb Frankreichs Monarchie noch weiter in die Krise. Charles de Berry verstarb am 05.05.1714 nach einem tragischen Reitunfall.

Die Duchesse de Berry lebte weiter ihr skandalöses Leben, stets geschützt vom geliebten Vater.
Am 27. oder 28.01.1716 brachte sie im Palais du Luxembourg eine namentlich unbekannte Tochter zur Welt, die jedoch nur drei Tage lebte.
Im Jahr 1716 verliebte sie sich in den Leutnant Sicaire Antonin Armand Auguste Nicolas d'Aydie, Chevalier de Rion (1692-1741), und heiratete diesen im Herbst 1716 heimlich und gegen den Willen ihres Vaters.
Ihr neuer Ehemann, von dem sie regelrecht abhängig war, entpuppte sich als herrschsüchtiger Tyrann, der seine Gattin psychisch zerstörte.
Im Juli 1717 kam eine ebenfalls namentlich unbekannte Tochter der beiden zur Welt. Über dieses Kind ist offiziell nichts weiter bekannt. Es heißt jedoch, das Mädchen sei das einzige Kind von Marie Louise Elisabeth, das nicht unmittelbar gestorben sei, sondern später angeblich Nonne in der Abtei von Pontoise wurde.
Im Jahr 1718 wurde Mademoiselle d'Orléans wieder schwanger und litt erneut unter ihren bekannten Schwangerschaftsproblemen; diesmal allerdings so sehr, dass man ihren baldigen Tod befürchtete.
Die junge Frau erholte sich jedoch wieder, brachte allerdings am 02.04.1719 im Palais du Luxwmbourg ein totes Mädchen zur Welt.

Im Sommer desselben Jahres erkrankte Mademoiselle d'Orléans bei einem Fest, das sie für ihren Vater gab, aufgrund ihres angeschlagenen Gesundheitszustands an einer Erkältung mit hohem Fieber und Schwächeanfällen.
Anfangs vermuteten die Ärzte einen Schlaganfall, da sie vom Sessel fiel und regunglos liegen blieb.
Doch kam Mademoiselle d'Orléans wieder zu sich, musste jedoch wegen Schwäche und unerträglicher Schmerzen in den Beinen das Bett hüten. Binnen kürzester Zeit magerte sie ab, nur ihr Bauch war aufgebläht.

Marie Louise Elisabeth d'Orléans starb in der Nacht vom 20./21.07.1719 im Alter von 23 Jahren im Château de la Muette.
Bei ihrer Obduktion stellte man eine weitere Schwangerschaft fest. Zudem wurden Geschwüre im Magen, an der Leber, in der Milz, an den Hüftgelenken und im Gehirn gefunden. Heute geht man davon aus, dass die Duchesse an den Folgen einer Sepsis starb, die ihren Ursprung in einer Gallenblaseneiterung hatte.

Das Herz der Mademoiselle d'Orléans wurde am 22.07.1719 in der Kirche Val-de-Grâce beigesetzt. Die Bestattung der Leiche erfolgte am 24.07.1719 in der Basilika Saint-Denis.
Aufgrund ihres skandalösen Lebenswandels und schlechten Rufes wurde jedoch auf eine Trauerrede verzichtet.



Sonstige Infos zu Marie Louise Elisabeth:


          

 

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