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Henri IV.
Henri de Navarre ~ "Henri le Grand"

(14.12.1553 - 14.05.1610)

 



Henri wurde am 14.12.1553 als der zweite Sohn des Katholiken und Prinzen von Geblüt Antoine de Bourbon, Herzog von Vendôme (1518-1562), und der protestantischen Königin von Navarra, Jeanne III. d'Albret (1528-1572), auf Château de Pau geboren.
Die Mutter war die Lieblingsnichte des damaligen Königs von Frankreich, Francois I. (1494-1547).
Unter Henris Großmutter Margarete d'Angoulême et Navarra (1492-1549) war das Königreich Navarra zum Sammelpunkt der Protestanten und religiösen Reformer geworden, denen in Paris Kerker, Verbannung und Scheiterhaufen drohten.

Henri wurde am 06.03.1554 katholisch getauft. Erzogen wurde er jedoch protestantisch - zu Beginn von seinem Großvater Henri d'Albret, nach dessen Tod, von seiner Tante Suzanne de Bourbon-Busset.

Am 24.04.1558 traf Henri anlässlich der Hochzeit des französischen Thronfolgers François, dem späteren König François II., mit Maria Stuart, Königin der Schotten, in Paris das erste Mal auf seine Cousine und spätere erste Ehefrau Marguerite de Valois (14.05.1553-27.06.1615).

Am 10.07.1559 kam König Henri II. (König von Frankreich seit 1547) bei einem Lanzenturnier ums Leben. Ihm folgten nacheinander seine Söhne François II. (1544-1560) ab 1559, Charles IX. (1550-1574) ab 1560 und Henri III. (1551-1589) ab 1574, die allesamt anfällig für Krankheiten waren und keine legitimen Nachkommen hatten.
Die Regentschaft Frankreichs führte hauptsächlich die Königinmutter 
Catherine de Médici (1519-1589).

Da das Haus de Guise mehr und mehr die Politik dominierte, versuchte Catherine de Medici, deren Macht einzuschränken, indem sie die Anwärter des Hauses Bourbon - das Geschlecht Henris de Navarra - an der Regentschaft beteiligte.
1561 holte sie den 8-jährigen Henri de Navarre an den frz. Hof und ließ ihn zum katholischen Glauben zurückführen.
 
Während des ersten Hugenottenkrieges (1562-1563), ausgelöst von den Guises, wollte Henris Mutter, die mittlerweile die alleinige Königin von Navarra war, ihren Sohn wieder sicher an ihrer Seite haben.
Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1562 ließ sie Henri gegen den Willen Catherines nach Navarra in das protestantische Zentrum holen, wo er schließlich protestantisch weitererzogen wurde.

1567 entbrannte der zweite Hugenottenkrieg. Catherine wollte den jungen Henri unbedingt als protestanisches Unterpfand in ihrem Hofstaat zurück wissen. Und nachdem sich dessen Mutter weiterhin weigerte, wurde der Junge
das Ziel von diversen Entführungsversuchen.
Der Krieg endete 1568. Da aber beide Parteien ihre Truppen mobilisiert ließen, schloss sich der dritte Hugenottenkrieg nahezu nahtlos an.

1570 lernte Henri den Führer der protestantischen Armee, Admiral Gaspard II. de Coligny (1519-1572),  kennen und schätzen. Er begleitete ihn während der Feldzüge.
Im August 1570 kam es schließlich zu einem Friedensvertrag zwischen den Katholiken und den Hugenotten.

Am 09.06.1572 starb Henris Mutter Jeanne d'Albret plötzlich. Obwohl es Gerüchte gab, sie sei vergiftet worden, konnte dies niemals bewiesen werden.
Mit dem Tod der Mutter wurde Henri nun als Henri III. König von Navarra.

Am 18.08.1572 heiratete er in Paris seine Cousine Marguerite de Valois, die Tochter von Catherine de Medici und die Schwester des frz. Königs, um den Frieden zwischen den Katholiken und Hugenotten zu besiegeln.
Dieser Hochzeit wohnten tausende Protestanten bei, darunter viele hochrangige, militärisch und politisch wichtige Persönlichkeiten, die extra zu diesem Anlass nach Paris reisten.

Drei Tage voller Feste sollten der Hochzeit folgen, als am 22. August 1572 ein missglücktes Attentat auf den protestantischen Admiral und Heerführer Coligny verübt wurde.
Coligny hatte vor der Hochzeit über Henri de Navarre Einfluss auf den frz. König Charles IX. gewonnen und war damit Charles Mutter Catherine de Medici ein Dorn im Auge. Die Königinmutter sah nicht nur ihre Regentschaftsansprüche bedroht, sondern auch ihre langjährigen Friedensbemühungen, als Coligny den König drängte, ein gemeinschaftliches französisches Heer gegen die Herrschaft des spanischen Königs Philippe II. in den Niederlanden aufzustellen. Er sah dies als einzige Alternative für einen Bürgerkrieg in Frankreich.

Das Attentat auf Coligny drohte nun in einem Skandal zu münden.
Letztendlich stellte sich der schwache König auf die Seite der übermächtigen Mutter und beschloss, sich öffentlich zu diesem Attentat zu bekennen, indem er den Auftrag gab, alle nach Paris gereisten Hugenotten ermorden zu lassen.
Das Gemetzel, welches in der Nacht zum 24.08.1572, dem Festtag des Apostels St. Bartholomäus, stattfand, ging als als Bartholomäusnacht oder Pariser Bluthochzeit in die Geschichte ein.
In Paris starben ca. 3.000 Hugenotten, darunter auch der verwundete Coligny. Im übrigen Frankreich kamen nochmals etwa 10.000 Hugenotten ums Leben.

Henri de Navarre, selbst Protestant, wurde gefangen genommen und vor die Wahl gestellt: Tod oder Übertritt zum Katholizismus.
Henri entschied sich für den Glaubenswechsel und war fortan 39 Monate lang Staatsgefangener im Louvre, während der vierte Hugenottenkrieg das Land heimsuchte.

Am 30.05.1574 starb König Charles IX. und sein Bruder wurde als Henri III. sein Nachfolger auf dem französischen Thron.
Henri III. blieb jedoch kinderlos. Sollte auch diesem König etwas zustoßen, war da noch Catherines vierter Sohn, François-Hercule de Valois-Angoulême, Duc d'Alençon (1555-1584), der die Krone für die Valois sichern konnte. Die beiden Brüder Henri III. und François-Hercule hassten allerdings einander, und Henri III. wurde von dem Gedanken verfolgt, sein Bruder wolle ihn töten.

1576 gelang Henri de Navarre die Flucht aus dem Louvre. Sofort legte er den katholischen Glauben wieder ab.
1578 sahen sich Henri und seine Frau Marguerite in Guyenne wieder, wo Henri seit 1576 Gouverneur war. Marguerite kam im Auftrag ihrer Mutter dorthin, um Henri zurück an den Pariser Hof zu holen, doch Marguerite kehrte 1580 ohne ihren Mann zurück nach Paris.

Zwar war König Henri III. ein Katholik und Oberhaupt der katholischen Liga, doch offizieller Führer war Henri de Guise, der eine härtere Position gegen die Hugenotten vertrat.
De Guises Gegenpart auf der protestantischen Seite war Henri de Navarre, das Oberhaupt der Protestanten.
Der französische König stand also zwischen den Parteien; diese Fehde wird offiziell als "Krieg der drei Heinriche" bezeichnet.

Als François-Hercule, der jüngere Bruder Henris III. und damit der französische Thronerbe, am 10.06.1584 überraschend starb, fand sich Henri de Navarre plötzlich in der Position des Thronfolgers von Frankreich wieder.
Dieser Umstand und die Furcht, der französische Thron könne auf einen Protestanten übergehen, brachte den Papst Sixtus V. dazu, Henri 1585 zu exkommunizieren. Dieser weigerte sich allerdings, die Exkommunikation anzuerkennen.

Ende 1588 wurde auch König Henri III. von Papst Sixtus V. exkommuniziert, nachdem dieser den streng katholischen Henri de Guise einen Tag vor Heiligabend hatte ermorden lassen.
Nun verbündeten sich die beiden exkommunizierten Könige von Frankreich und Navarra und marschierten gegen die katholische Liga, die Paris besetzte.

Die Königinmutter, die nun vor den Trümmern ihres katholischen Reiches stand, verstarb am 05.01.1589. So blieb der strengen Katholikin erspart, das sich abzeichnende Unheil mitansehen zu müssen, das wenig später über das Haus Valois hereinbrach:

Am 1. August 1589 wurde Henri III., der letzte Erbe der Valois-Dynastie, in Saint-Cloud von einem Mönch namens Jacques Clement niedergestochen. Einen Tag später, am Morgen des 02.08.1589, erlag er seinen schweren Verletzungen.
Da die 1575 geschlossene Ehe des Königs mit Luise de Vaudemont kinderlos war und er auch keinen Bruder mehr hatte, erlosch die Valois-Linie endgültig.

Auf seinem Sterbebett bestätigte Henri III. seinen Schwager und Verbündeten Henri de Navarre nunmehr als Nachfolger, forderte aber dessen Konvertierung zum katholischen Glauben.

Henri de Navarre hielt sein Versprechen und konvertierte schließlich am 15.07.1593 erneut zum Katholizismus.
Daraufhin wurde er am 27.02.1594 in Chartres gesalbt und als Henri IV., Roi de France et de Navarre, zum König gekrönt.
Als erster König aus dem Hause Bourbon gilt er daher als der Stammvater der Bourbonen-Linie.

Am 27.12.1594 wurde auf Henri IV. bei einer öffentlichen Veranstaltung ein Attentat aus religiösen Gründen verübt, wobei der König jedoch nur leicht verletzt wurde.
Die Folge des Attentats war die Ausweisung der Jesuiten aus dem Königreich, da der Attentäter mit einem Jesuitenpater den Anschlag geplant hatte.

Da Henri IV. erkannte und aus den Erfahrungen der letzten Jahre lernte, dass Frankreich nur dann von den Wirren der Religionskriege genesen konnte, wenn beide Religionen friedlich nebeneinander existierten, nutzte er seine neu errungene Macht, um das Edikt von Nantes - eine seiner größten politischen Entscheidungen - auszufertigen, das bis zum Edikt von Fontainebleau 96 Jahre lang den Religionsfrieden in Frankreich sichern sollte. Am 13.04.1598 wurde das Edikt unterzeichnet und erlaubte den Protestanten, ihren Glauben in dem immer noch überwiegend katholischen Frankreich frei auszuüben.

Unter Henri IV. erlebte Frankreich einen bemerkenswerten wirtschaftlichen und finanziellen Aufschwung und das Volk liebte seinen König.

Wegen Kinderlosigkeit wurde im Dezember 1599 die Ehe von Henri und Marguerite vom Papst annulliert.
Am 05.10.1600 heiratete Henri IV. die Florentinerin 
Marie de Medicis (1573-1642), die damals als Tochter des Großherzogs Franz I. von Toskana und die reichste Erbin des europäischen Kontinents war.
Und schon ein Jahr später, am 27.09.1601, wurde der Thronfolger Louis (der spätere
Louis XIII.) geboren.
Es folgten fünf weitere Kinder, darunter eine spätere Königin von Spanien und Portugal sowie eine Königin von England.

Mit seinen zahlreichen Mätressen (u.a. die berühmte Gabrielle d'Estrées) hatte Henri IV. zudem einige uneheliche Kinder, die er allesamt legitimierte.

Da Henri IV. 1610 einen Feldzug plante und so die Regierungsgeschäfte längere Zeit nicht würde ausüben können, wurde Maria von Medici am Abend des 13.05.1610 zur Königin gekrönt und gesalbt, um während seiner Abwesenheit regieren zu können.

Einen Tag später, am 14.05.1610 fiel Henri einem Mordanschlag zum Opfer:
In der engen Pariser Rue de la Ferronnerie sprang François Ravaillac auf die königliche Kutsche auf und stieß dem König mit einem Messer dreimal in die Brust.
Umgehend wurde Henri IV. zum Louvre gefahren, doch auf dem Weg dahin erlag er seinen schweren Verletzungen.
In der Rue de la Ferronnerie Nr. 11 weist heute eine Gedenktafel auf den Tatort hin.

Dauphin Louis wurde somit im Alter von neun Jahren als Louis XIII. der neue König von Frankreich und Navarra; die Regierungsgeschäfte führte jedoch seine Mutter vorerst weiter.



Sonstige Informationen zu Henri IV.:


            


 

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